HISTORISCHER VEREIN - ARCHIV 2014
 
Neuigkeiten und Termine
Die Veranstaltungen des Historischen Vereins finden in der Regel im Saal des Gäubodenmuseums Straubing, Fraunhoferstr. 23, oder im Saal der Sparkasse Straubing-Bogen (Eingang Jakobsgasse) statt. Termine und Ankündigungen sind auch der Tagespresse (Straubinger Tagblatt) und dem halb- jährlich erscheinenden, per Post an die Mitglieder zugestellten Mitteilungsblatt des Vereins zu ent- nehmen...
WER, WO, WANN, WAS??? - ARCHIV DES HISTORISCHEN VEREINS

                                                           2014


Donnerstag, 06. November 2014, 19.30 Uhr im Saal des Gäubodenmuseums
Sorviodurum (Straubing) aus der Perspektive der Geschichte
des römischen Kaiserreiches

Vortrag von Professor Dr. Günther Moosbauer, Leiter des Gäubodenmuseum Straubing

Straubing. (hv) Die Geschichte des römischen Straubing wurde und wird umfassend erforscht. Insbesondere die Ausgrabungen unter der Ägide von Dr. Johannes Prammer erbrachten wesentliche Aufschlüsse zu diesem Kapitel der Straubinger Stadtgeschichte. Teilweise wurden Aspekte dieser Geschichte bereits in Form von universitären Abschlussarbeiten behandelt, teilweise steht eine umfassende Auswertung noch aus. Aus heutiger Perspektive ist es durch die Publikationen des Ausgräbers jedoch jetzt schon möglich, grundlegende Veränderungen für Straubing aufzuzeigen. An dieser Stelle bietet sich die Chance, Verbindungen zu allgemeinen Entwicklungen im römischen Reich herauszuarbeiten, die in der Straubinger Stadtgeschichte fassbar werden. Innere Reichskrisen, Barbareneinfälle und römische Innenpolitik zeigten ihre Auswirkungen auch in Straubing. Aus diesem Grund sollen in dem Vortrag zuerst diese allgemeinen Aspekte aufgegriffen und beleuchtet werden, um dann ihre Wirkungen in Straubing zu thematisieren.



Donnerstag, 16. Oktober 2014, 19.30 Uhr im Saal des Gäubodenmuseums:
Expeditio Germaniae - Aktuelle Forschungen am römisch-germanischen Schlachtfeld Harzhorn in Niedersachen
Vortrag von Prähistoriker Dr. Michael Geschwinde, Leiter des Gebietsreferats Braunschweig des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege

Straubing. (hv) Seit der weltweit für Aufmerksamkeit sorgenden Entdeckung der Spuren einer erbitterten militärischen Auseinandersetzung zwischen Germanen und Römern bei Oldenrode in Niedersachsen ist das Harzhorn zum Modellfall moderner Schlachtfeldarchäologie geworden. Mit modernsten Methoden gelingt es den Archäologen, nicht nur beindruckende Mengen an Kampfrelikten zu bergen, sondern durch eine hochmoderne Methodik werden auch immer mehr Details zum Ablauf der Gefechte erkennbar. Zunehmend deutlich lässt sich der Überfall germanischer Verbände auf den Tross der römischen Armee rekonstruieren, mit der sich Kaiser Maximinus Thrax im Herbst 235 n. Chr. auf dem Rückweg von einem erfolgreichen Militärschlag gegen die sog. „Elbgermanen“ befand.

Archäologische Funde geben die Möglichkeit, modellhaft zu zeigen, wie die römischen Truppen zunächst in den von den Germanen geplanten Hinterhalt gerieten, aus dem sie sich dann dank überlegener Militärtechnologie und dem taktisch klugen Einsatz ihrer disziplinierten Truppen wieder befreien konnten. Neben kampferprobten Legionen wie der Legio IV Flavia Felix kamen auch die für diese Zeit typischen Auxiliarverbände wie berittene maurische Speerschleuderer und die berühmten syrischen Bogenschützen zum Einsatz. Auch die in Sorviodurum stationierte Cohors I Flavia Canathenorum milliaria sagittariorum könnte beteiligt gewesen sein – jedenfalls finden sich unter den Funden des Kastells III in Straubing viele Parallelen zu Waffen und Werkzeugen, die am Harzhorn gefunden wurden.



05. bis 07. September 2014:
„Römische“ Schifffahrt auf der Donau

Straubing. (hv) Im Rahmen des Altstadtfestes vom 5. bis 7. September besteht für Vereinsmitglieder die Möglichkeit, das auf der Donau liegende nachgebaute Römerschiff zu besichtigen und darauf mit zu rudern. Interessenten können sich beim Verein bzw. am Anlieger melden. Näheres zu dem Unternehmen kann rechtzeitig der Tagespresse entnommen werden.



Freitag, 04. Juli 2014:
Römische Torsionsgeschütze, experimentell nachgebaut und getestet
Einführungsvortrag von Prof. Dr. Christoph Schäfer (Univ. Trier), Prof. Dr. Günther Moosbauer (Gäubodenmuseum) und Marius Altmann (Gymnasium Ising) mit anschließender Vorführung der Geschütze am Donauuferweg



Donnerstag, 26. Juni 2014:
Führung durch die Wanderausstellung im Gäubodenmuseum:
„Wiederaufbau und Wirtschaftswunder“

mit Dr. Stefan Maier



Sonntag, 25. Mai 2014:
Exkursion nach Kempten unter dem Motto:
„Projekt Römerpark“ und Stadt Kempten

Leitung: StD a.D. Georg Hurm



Donnerstag, 10. April 2014, 19.30 Uhr, im Saal des Gäubodenmuseums:
„Jetzt ist die Zeit und Stunde da. Wir reisen nach Amerika“: Migrationen aus Bayern in die USA zwischen 1848 und 1952, aufgezeigt an fünf Lebens- geschichten aus Altbayern
Vortrag von Sophie Schattenkirchner, Doktorandin, Wien/Straubing

Straubing. (hv) Warum wandern Menschen aus einer Region aus, während andere in der Heimat bleiben? Zur Beantwortung dieser Frage werden fünf Migrationen aus Altbayern zwischen 1859 und 1952 untersucht. In einem ersten Teil werden dabei die Lebensgeschichten von fünf Auswanderern aus Altbayern durch eine Kombination aus biographischer Herangehensweise und Untersuchung des historisch-sozialen Kontexts dargestellt. 1859 wanderte eine Nachtwächterstochter von Straubing nach Attica, Indiana, aus, da ihre bereits dorthin ausgewanderte Schwester einen Ehemann für sie gefunden hatte. 1903 zog ein Florist von der Oberpfalz aus in die USA und lebte dort in verschiedenen Bundesstaaten, blieb schließlich knapp 20 Jahre in Chicago und kehrte 1932 wieder in seine bayerische Heimat zurück. Dort wurde er von den NS-Behörden der Militärflucht verdächtigt. 1938 emigrierte eine junge Frau, die dem Orden der Armen Schulschwestern angehörte, aus Essenbach zusammen mit Mitschwestern nach Milwaukee, Wisconsin. 1939 musste ein jüdischer Arzt von München nach New York zwangsemigrieren, da er von Nachbarn denunziert und schließlich von den Nationalsozialisten inhaftiert wurde. In einem letzten Fall geht es um eine junge Frau, die 1952 aus Regensburg zusammen mit einem US-Soldaten nach Kansas auswanderte. Diese konnte 2012 zu den Gründen für ihre Auswanderung befragt werden.

In einem zweiten interpretierenden Teil werden diese fünf Migranten gegenübergestellt und deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet. Dabei werden sowohl das Siedlungs- und Heiratsverhalten der Altbayern in den USA untersucht, andere Faktoren, wie Wirtschaftskrisen oder Kriege, die das Wanderungsverhalten beeinflussten, analysiert, als auch die Frage diskutiert, inwiefern die verbesserten Transportmöglichkeiten des 20. Jahrhunderts die Entscheidung zur Migration beeinflussten.



Donnerstag, 20. März 2014, 19.30 Uhr, im Saal des Gäubodenmuseums:
Entwicklung und Architektur des Alten Schlachthofs in Straubing
Vortrag von Guido Scharrer, StDir a. D., Straubing

Straubing. (hv) Das 1898/99 errichtete Ensemble galt damals als Pionierbau und Musteranlage, mit dem Versorgung, Hygiene und Tierschutz nach neuesten Erkenntnissen verwirklicht wurden. Das bemerkenswerte Industriedenkmal der späten Gründerzeit wurde einst als einer der modernsten europäischen, sogar weltweiten Schlachthöfe gewürdigt. Erheblichen Anteil daran hatte der erste Direktor Dr. Hugo Heiss, der als „Begründer der allgemeinen Einführung der schmerzlosen Tötung der Schlachttiere“ und als „Schöpfer der Schlachthofwissenschaften“ vielfach international geehrt wurde. In variierter Form wurde der Straubinger Schlachthof von 1903 bis 1906 in Tsingtau nachgebaut, das von 1897 bis 1914 deutsche Kolonie war und das „deutsche Hongkong“ genannt wurde. 1984 endete in der Straubinger Heerstraße das „blutige Geschäft“, die Nebengebäude wurden abgebrochen, die Entwicklung zu einem vielfältigen Kulturzentrum begann.

Der Vortrag konzentriert sich - vor dem Hintergrund der Straubinger Geschichte - auf die Frühzeit des Schlachthofs, vermittelt einen Überblick bis zur aktuellen Entwicklung und analysiert die Architektur als gelungene Kombination von Neorenaissance, Eklektizismus und Funktionalismus. Neben zeitgenössischen Textquellen wird dies mit zahlreichen Plänen und Fotos illustriert.



Donnerstag, 27. Februar 2014, 19.30 Uhr im Saal des Gäubodenmuseums:
Jahreshauptversammung 2014 des Historischen Vereins

Straubing. (hv) Die Einladung zur Mitgliederversammlung (mit Tagesordnung) liegt dem Mitteilungsschreiben 2013 bei.



Donnerstag, 23. Januar 2014, 19.30. Uhr, im Saal des Gäubodenmuseums
Wahrheit und Erfindung - Jakob Sandtners Straubinger Stadtmodell von 1568
Vortrag von Heike Messemer M. A., Kunsthistorikerin, Doktorandin, Straubing/München

Straubing. (hv) Der Drechslermeister Jakob Sandtner hat 1568 seine Heimatstadt Straubing in einem aus Lindenholz gearbeiteten Modell plastisch dargestellt. Winzig klein sind hier Fenster, Türen, Erker und Giebel sorgsam und wahrhaftig geschnitzt. Das Wahrzeichen Straubings, der Stadtturm, sowie sämtliche Kirchen sind deutlich anhand ihres charakteristischen Aussehens wieder zu erkennen. Diese unglaubliche Fülle an Details und die Kleinteiligkeit der Abbildung suggerieren, Sandtner habe Straubing scheinbar realistisch wiedergegeben.

Dieser Beitrag stellt die Ergebnisse einer umfangreichen Analyse des Stadtmodells vor, die verdeutlicht, dass Sandtner jedoch idealisierende Elemente als eigene Erfindung in seine Darstellung Straubings integrierte. Anhand von Fotos und Grafiken wird aufgezeigt, wie die zeitgenössische Wahrnehmung der Gäubodenstadt Sandtners plastische Abbildung beeinflusst haben könnte.