HISTORISCHER VEREIN - ARCHIV 2015
 
Neuigkeiten und Termine
Die Veranstaltungen des Historischen Vereins finden in der Regel im Saal des Gäubodenmuseums Straubing, Fraunhoferstr. 23, oder im Saal der Sparkasse Straubing-Bogen (Eingang Jakobsgasse) statt. Termine und Ankündigungen sind auch der Tagespresse (Straubinger Tagblatt) und dem jährlich erscheinenden, per Post an die Mitglieder zugestellten Mitteilungsblatt des Vereins zu entnehmen...
WER, WO, WANN, WAS??? - ARCHIV DES HISTORISCHEN VEREINS

                                                           2015


Donnerstag, 12. November 2015, 19.30 Uhr, Saal des Gäubodenmuseums

"Die Arbeit, das Sach und der Tod" -
Das dörfliche Leben auf Fotos aus der Zeit von 1908-1914

Vortrag von Dr. Johann Kirchinger, wiss. Mitarbeiter am LS für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte der Universität Regensburg / Kreisheimatpfleger, Regensburg / Mallersdorf-Pfaffenberg

Straubing. (hv) Auf einem niederbayerischen Dachboden stieß man auf einen einzigartigen Fund: Fotoplatten aus dem Nachlass des Fotografen Ferdinand Pöschl. Die heir entdeckten Aufnahmen lassen faszinierende Rückschlüsse auf das dörfliche Leben vor dem Ersten Weltkrieg zu und gewähren seltene Einblicke in das Aufeinandertreffen von bürgerlicher und bäuerlicher Lebensweise.

Die niederbayerischen Orte Hofkirchen und Haimelkofen waren für die Jahre von 1908 bis 1914 Wirkstätte des Fotografen Pöschl. Hier entstanden seltene Fotografien, die Menschen und Arbeitsgerät, alltägliche und außergewöhnliche Ereignisse festhielten - vom Faschingstreiben bis zur politischen Versammlung, von der Arbeit auf dem Feld bis zum Sontnagsspaziergand, von der Hochzeit bis zum Tod. Auftragsarbeiten, Postkartenidyllen, aber auch Momentaufnahmen spiegeln die unterschiedlichen Vorstellungen des bürgerlichen Fotografen und der bäuerlichen Bevölkerung wider.



Donnerstag, 08. Oktober 2015, 19.30 Uhr, Saal des Gäubodenmuseums

In der Arena gefeiert und dann verscharrt?
Nekropolen römischer Gladiatoren im Fokus der Forschung

Vortrag von PD Dr. Martin Luik, prov.-röm. Archäologe, LMU München

Straubing. (hv) In den vergangenen Jahren hat das öffentliche Interesse am Thema "Gladiatoren" geradezu sprunghaft zugenommen. Reißerische Spielfilme, spektakuläre Ausstellungen, wiederholte Berichte in den verschiedensten Medien taten ihr Übriges, um dieses Itneresse immer noch weiter zu fördern. Vielleicht lässt sich diese große Aufmerksamkeit damit erklären, dass Gladiatoren in der Antike trotz ihres gelegentlich äußerst brutalen Handwerks stürmisch gefeierte Helden waren. Nicht selten genossen sie geradezu große Verehrung, ähnlich manchen Boxern oder Fußballstars der Gegenwart.

Umso überraschender muss da die Feststellung wirken, dass Gladiatoren dem Gesetz nach streng genommen einer sozial ausgestoßenen Gruppe angehörten, denn juristisch gesehen unterlagen sie der infamia. Diesen Rechtsstatus scheint das Testament des Horatius Balbus aus Sarsina/Italien zu bestätigen. In dieser Rechtsurkunde wurde zwar den Mitbürgern ein Grundstück für Bestattungszwecke zur Verfügung gestellt, von dieser großzügigen Schenkung wurden jedoch mehrere Personenkreise ausdrücklich ausgenommen, wozu auch eine bestimmte Gruppe von Gladiatoren gehörte. Wie und wo wurden folglich Gladiatoren bestattet? Existierten räumlich von den übrigen Bestattungsplätzen getrennte Gladiatorennekropolen, was lässt sich über deren Aufbau und Struktur aussagen, was über die dazugehörigen Gräber? (...)



Donnerstag, 24. September 2015, 19.30 Uhr, Saal des Gäubodenmuseums

Erkennen und Verstehen -
Restaurierung und Erhalt der historischen Stadtmauer

Vortrag von Sebastian Endemann, Steinrestaurator, Regensburg

Straubing. (hv) Die erste gemauerte Stadtberingung stammt aus der Zeit vor 1332. Weitere Ausbauphasen liegen entlang des Bürgerspitals bis zum Schloss. Ab 1477 kommt es mit dem Ausbau der Stadtbefestigung zur Herleitung der Donau durch die Bschlacht, in Folge zur Anlage des Zwingers und eiens breiten Stadtmauerberings unter Einbeziehung des Gerberviertels. Diese Stadtbefestigung bildet im 19. Jahrhundert keinen Schutz mehr vor der Artillerie. So folgte der Verfall der Stadtmauer, Instandsetzungen blieben aus. "Entfestigung" war Anfang des 19. Jahrhunderts Ausdruck der damaligen Geisteshaltung, das Bedürfnis nach Stadterweiterung groß. 1804 erfolgte der Demolierungsbeschluss, ab 1806 der Rückbau der Stadtmauern und Stadttore.

Heute wird die Stadtbefestigung wieder bewusst wahrgenommen. Mit gewisser Ausnahme von Pulverturm und Weytterturm gibt es aber noch kaum Instandsetzungen. Die einzige gestalterische Maßnahme wurde im Zuge der Landesgartenschau 1989 vorgenommen. Da sich die historischen Reste in schlechtem baulichem Zustand befinden, teilweise nicht mehr standsicher sind, Schiefstellungen, Ausbuchtungen, abbröckelnde Mauerstücke bis hin zu Mauerwerksausbrüchen vorkommen, ist man in einem längerfristigen Projekt der Unteren Denkmalschutzbehörde um eine grundlegende und nachhaltige Sanierung des Bestandes bemüht. Steinrestaurator S. Endemann wird in seinem Referat seine Utnersuchungen, Erfahrungen und Vorgehensweisen zum Erhalt des historischen Mauerwerks zugrunden legen.



Samstag, 20. Juni 2015, 7.30 Uhr, Busbahnhof am Hagen

Prämonstratenserstift Tepl (Tepla) bei Marienbad (Böhmen)
Kunsthistorische Exkursion unter fachkundigen Führungen (vor Ort) und der Leitung von Akad. Direktor Dr. Gerhard Lehrberger, TU München, der in Tepl an einem dreijährigen Forschungsprojekt zur Restaurierung der Klosteranlage tätig war

Straubing. (hv) Das Kloster Tepl, unweit von Marienbad in Böhmen gelegen, schaut auf eine über 800-jährige Geschichte zurück, geprägt von Glanzlichtern wie auch von Brandkatastrophen, Kriegseinwirkungen und mutwilliger Zerstörung nach dem Zweiten Weltkrieg. Die fast kontinuierliche Baugeschichte bis zum Beginn des 20. Jh. macht das Kloster zu einem der bedeutendsten klösterlichen Architekturkomplexe in Mitteleuropa. besonderen Stellenwert haben auch die weitläufigen Gärten und Parkanlagen.

Programm:
7.30 Uhr Abfahrt aim Busbahnhof am Hagen in Straubing (Reiseunternehmen Mittermeier)
10.00 Uhr Führungen in Kirche, Kloster, Bibliothek, Bauanlagen, Gärten und Park
12.30 Uhr Mittagessen in der Klostergaststätte
14.30 Uhr Abfahrt nach Marienbad (10 km); Besuch mit Führung durch den Kurort mit seiner beeindruckenden Architektur, Besuch des Kaisersaals mit Extraführung durch den Festsaal
17.30 Uhr Rückfahrt nach Straubing

Verbindliche Anmeldung mit Einzahlung der Reisekosten (inkl. Eintritte u. alle Führungen) im Voraus ab sofort an der Museumskasse erbeten (Fraunhoferstr. 23, Tel. 09421/9741-0). Fahrtkosten: 35 Euro pro Person. Ein Rückerstattung ist nur bei rechtzeitiger Absage und Ersatz möglich!



Donnerstag, 11. Juni 2015, 19.30 Uhr, Saal des Gäubodenmuseums

Klosterkerker - Mythos und Realität
Vortrag von Prof. Dr. Ulrich L. Lehner, Universität Marquette, Wisconsin/USA

Straubing. (hv) Was in den frommen Heiligenlegenden nicht vorkommt: Das "gottgeweihte" Leben hatte seine Schattenseiten! In den Klöstern waren Missbrauch, Ausschweifungen, ja sogar Kapitalverbrechen durchaus keine Seltenheit. Doch wie ging man damit um? Wenig bekannt ist, dass viele Ordensgemeinschaften ein ausgeklügeltes System von Strafkatalogen, Verfahrensregeln und teilweise drakonischen Maßnahmen entwickelten, um moralische Vergehen zu ahnden. Zum Repertoire gehörten Kerkerhaft und zuweilen auch Folter.

Der gebürtige Straubinger, Prof. Dr. Ulrich L. Lehner, hat in europäischen Archiven brisantes Material zu Klosterkerkern gefunden, unter anderem auch über Oberaltaich bei Straubing oder das Straubinger Franziskanerkloster. Er hat seine Erkenntnisse in einem Buch zusammengefasst: "Mönche und Nonnen im Klosterkerker. Ein verdrängtes Kapitel Kirchengeschichte"!



Samstag, 18. April 2015, 15.00 Uhr, Klosterpforte des Karmelitenklosters

Die Bibliothek des Karmelitenklosters
Führung mit StD a.D. Alfons Huber, Stadtheimatpfleger

Straubing. (hv) Die unter den Bettelordensklöstern allein schon durch ihren umfangreichen historischen Buchbestand herausragende Bibliothek zeichnet sich auch durch ihr barockes Ausstattungsprogramm aus, das der Barocksaal 1711 in einem Umfang und einer Dichte an Aussagen erhalten hat, wie es Mendikantenklöster im ganzen deutschen Sprachraum nicht kennen. Das einheitliche ikonologische Ausstattungsprogramm, sicher vom Konvent mit dem unbekannten Maler entwickelt, orientiert sich an der Geschichte des Ordens, bringt die im Orden stets gepflegte Marienverehrung wie die ordensspezifische marianische Theologie zur Darstellung, lässt aber gleichzeitig auch in barocker Verwobenheit von Text und Bild den Kosmos und die Funktionen einer gelehrten Saal- und Klosterbibliothek sichtbar werden.



Donnerstag, 19. März 2015, 19.30 Uhr im Saal des Gäubodenmuseums

Hochrangige Stiftspröpste aus Pfaffmünster als Stadtpfarrer von Straubing
Vortrag von Hans Agsteiner, Münster

Straubing. (hv) Bedeutende Pröpste standen dem altehrwürdigen Chorherrenstift St. Tiburtius zu Pfaffmünster bis zu dessen Verlegung nach Straubing im Jahre 1581 vor. Die Propstei, ein markanter spätgotischer Bau mit Treppengiebeldach und Erker, der heute in Münster als Pfarrhof dient, kann 2014 seinen 500. Geburtstag feiern. Er wird in nächster Zeit nach einer umfangreichen Restaurierung und Erweiterung zum Pfarrzentrum für den Pfarrverband Kirchroth-Münster-Kößnach umgestaltet.

Grund genug für Hans Agsteiner, im Rahmen einer größeren Arbeit auf seine reiche Vergangenheit und die Biographie seiner geistlichen Bewohner einzugehen. Zentrales Thema des Vortrags ist das Leben der neuzeitlichen Stiftspröpste, die größtenteils auch Stadtpfarrer von Straubing waren und in der bayerischen Geschichte eine nicht unbedeutende Rolle spielten. Der Bogen reicht vom Bauherrn der Propstei Dr. Bernhard von Waldkirch, Domherr von Augsburg und Eichstädt und Stadtpfarrer von Straubing, über Dr. Wolfgang von Seyboltstorff auf Schenkenau, Dr. Veit Tuchsenhauser, Ernst von Prandt und Urban Winklmayer bis zu Professor Dr. Albert Hunger, Prokanzler der Universität Ingolstadt und einer der großen Gegner Martin Luthers.

Interessante Bilder werden den Vortrag bereichern, darunter die Miniaturen eines Gebetbuchs, das Bernhard von Waldkirch in Auftrag gegeben hat. Vor kurzem wurde es vom Freistaat Bayern im Kunsthandel in New York erworben. Das prächtig illuminierte Gebetbuch wird den großen Werken der Buchmalerei in Bayern zugerechnet.



20. März 2015

800 Jahre Straubinger Neustadt...

Straubing. (hv) Als Festgabe zur Feier des 700. Gedenkjahres der Gründung der Neustadt 1918 gab der Historische Verein 1911/18 das großartige "Urkundenbuch der Stadt Straubing", bearbeitet von F. Solleder, in Druck. Der Verein möchte anlässlich der 800-Jahr-Feier der Stadt (2018) vergleichbare Studienbände zur Stadtgeschichte vorlegen. Die Zusage von kompetenten Autoren, die Findung von Themen wie die Planung lassen sich in Zusammenarbeit mit den beiden Professoren Dr. Dietl und Dr. Dittscheid / Univ. Regensburg recht gut an...



20. März 2015
Ehrenmitgliedschaft für StD a.D. Franz Karl

Straubing. (hv) In der Jahreshauptversammlung am 26. Februar 2015 hat die Mitgliederversammlung beschlossen einstimmig beschlossen, dem Vereinsmitglied StD a.D. Franz Karl in Anerkennung seines langjährigen außer ordentlichen Engagements für die Straubinger Krippenszene die Ehrenmitgliedschaft des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung zu verlehen. Aufgrund der vielfältigen Krippenaktivitäten (Restaurierung, Präsentation, wissenschaftliche Erforschung) etablierte und begründete F. Karl den Ruf Straubings als "Krippenstadt Niederbayern". Die Vorstandschaft, die die Ausstellung und Übergabe der Urkunde vorbereitet, gratuliert zu dieser Auszeichnung!



Donnerstag, 26. Februar 2015, 19.30 Uhr im Saal des Gäubodenmuseums
Jahreshauptversammung 2015 des Historischen Vereins
mit Neuwahlen des Vorstandes


Straubing. (hv) Die Einladung zur Mitgliederversammlung (mit Tagesordnung) liegt dem Mitteilungsblatt 2014 bei.



Donnerstag, 22. Januar 2015, 19.30 Uhr im Saal des Gäubodenmuseums
Die Chroniken von Loitzendorf - Alltag und Außergewöhnliches im Leben des Pfarrers Karl Holzgartner während seiner Zeit in Loitzendorf 1924-1934
Vortrag von Kulturwissenschaftlerin Johanna Fendl M. A., Bogen, wiss. Volontärin im Freilichtmuseum Finsterau

Straubing. (hv) Wie lebte ein Pfarrer in den 1920er und 1930er Jahren auf dem Land im Bayerischen Wald? Wie denkt er über das Leben seiner Schäfchen, mit welchen Leuten umgibt er sich, wie sieht sein Alltag aus? Pfarrer Karl Holzgartner hinterließ nach seiner Tätigkeit in Loitzendorf der kleinen Gemeinde im Bayerischen Wald zwei Bücher, in denen er seine Erlebnisse, seine heimatgeschichtlichen Forschungen und die politischen sowie sozialen Entwicklungen handschriftlich festgehalten hat.

Während der Jahre 1924 und 1934 verfasste er sowohl eine Art Tagebuch als auch die „Beiträge zur Geschichte des Pfarrbezirks Loitzendorf“. Beide sind bis heute im Pfarrarchiv Loitzendorf erhalten und stellen eine schier unerschöpfliche Quelle für eine volkskundliche Forschung hinsichtlich des Lebens eines Pfarrers und seiner Mitmenschen auf dem Land während dieser Zeit dar. Holzgartner interessierten nicht nur seine Aufgaben als Seelsorger in seiner Pfarrei. Nein, er war vor allem auch von der Heimatgeschichte angetan, und dazu aufmerksam und scharfsinnig, wenn es um die aktuellen Entwicklungen in seiner Gemeinde ging. Als politisch interessierter Mensch verfolgte er die gesellschaftlichen Prozesse in einer besonders spannenden Zeit während des aufkommenden Nationalsozialismus. In der Chronik nüchtern und sachlich, im Tagebuch dagegen durchaus emotional und subjektiv, hat Pfarrer Holzgartner die elf Jahre seines Wirkens festgehalten. Im Vortrag werden zum einen beide Bücher vorgestellt und verglichen, zum anderen werden das Lebensumfeld und die Persönlichkeit des Loitzendorfer Pfarrers herausgearbeitet.