HISTORISCHER VEREIN - ARCHIV 2019 - Neuigkeiten und Termine
Die Veranstaltungen des Historischen Vereins finden in der Regel im Saal des Gäubodenmuseums Straubing, Fraunhoferstr. 23, statt. Die Veranstaltungsorte in 2019 sind aber auch jeweils der Tagespresse (Straubinger Tagblatt) zu entnehmen.
WER, WO, WANN, WAS???

2019


Donnerstag, 21. November 2019, 19.30 Uhr, Vortragssaal des Gäubodenmuseums
Pfarrer Tiberius Burger aus Straubing, Autor und Schnitzer
Vortrag von StDir a.D. Guido Scharrer, Straubing


Straubing. (hv) Der Geistliche Tiberius Burger (1886-1961), der in seiner Jugendzeit und im Ruhestand in Straubing lebte, ist heute fast vergessen. Sein Engagement und seine Kunstfertigkeiten waren aber ungewöhnlich vielfältig. Verschiedene Schnitzwerke, vor allem komplette Altäre und große Heilig-Geist-Tauben, schmückten einst fast 50 Kirchen und sind noch immer in mehreren Gotteshäusern in Straubing und Umgebung zu finden, darunter in St. Jakob, in der Wallfahrtskirche Sossau und in St. Georg in Mitterfels. Deutschlandweit bekannt und beliebt waren seine 20 katechetischen Bücher für den katholischen Religionsunterricht. Außerdem förderte der Pfarrer und Dekan tatkräftig und ideenreich die Krippenkultur, schnitzte Krippenfiguren und leitete fast zehn Jahre unter schwierigsten Bedingungen die Zeitschrift des Bayerischen Krippenverbandes.

Der reich bebilderte Vortrag des Straubinger Historikers beruht auf längeren aktuellen Recherchen in Archiven und wertet Befragungen von Zeitgenossen aus. Vor dem Zeithintergrund wird auch bisher Unbekanntes berichtet und analysiert wie die Verfolgung Burgers im NS-System oder seine nicht unkomplizierte Persönlichkeit. Mit zahlreichen Nachrufen werden die besonderen Leistungen und die überregionale Bedeutung des Geistlichen, der vor allem in Mitterfels, Wiesent bei Wörth an der Donau und in Straubing wirkte, bestätigt und gewürdigt.




Donnerstag, 24. Oktober 2019, 19.30 Uhr, Vortragssaal des Gäubodenmuseums
Der Straubinger Robert Kothe (1869-1947) im ersten Münchener Kabarett "Die Elf Scharfrichter" (1901-1904)
Vortrag von Dr. Judith Kemp, Wiss. Mitarbeiterin Musikinstrumente, Detusches Museum München


Straubing. (hv) „Die beste Bühne, die wir zur Zeit in München haben, ist die der Elf Scharfrichter“, so urteilte die lokale Presse im Dezember 1901, ein halbes Jahr nach Eröffnung des ersten Münchner Kabaretts. Mit prominenten Mitgliedern wie Frank Wedekind, Otto Falckenberg und Heinrich Lautensack gelang es den Scharfrichtern in dieser Zeit, sich als wichtige Institution innerhalb der Münchner Kulturszene zu etablieren. Zu ihren erklärten Absichten zählten die künstlerische Aufwertung der Unterhaltungskultur und damit einhergehend eine umfassende Erneuerung des Theaters, wie sie von zahlreichen Intellektuellen und Künstlern um 1900 angestrebt wurde.

Judith Kemp präsentiert in ihrem Buch „Ein winzig Bild vom großen Leben. Zur Kulturgeschichte von Münchens ersten Kabarett Die Elf Scharfrichter (1901-1904)“ erstmals eine detaillierte Beschreibung, Analyse und Einordnung dieses vielbeachteten Theaterensembles, das die deutsche Kabarettgeschichte mitbegründete.




Donnerstag, 19. September 2019, 19.30 Uhr, Vortragssaal des Gäubodenmuseums
Technologische und gesellschaftliche Entwicklung der Branntweinwirtschaft
unter besonderer Berücksichtigung von Gut Eglsee

Vortrag von Wolfgang Sturm M.A., Aufhausen


Straubing. (hv) Das Brennereiwesen als landwirtschaftlicher Nebenerwerb hat in Deutschland und Bayern eine lange Tradition. Über 200 Jahre umfasst die Geschichte des Agraralkohols von der Entstehung der ersten Brennereien 1810 bis zum Fall des deutschen Branntwein-Monopols 2013. Lange Zeit unterlag die Branntweinwirtschaft der freien Marktwirtschaft. Dabei kam es allerdings nach und nach zu schlechteren Produktionsbedingungen, da die Erzeugung in einem großen Missverhältnis zum Bedarf stand. Unter Otto von Bismarck wurde deshalb 1887 das Reichsbranntweinsteuergesetz eingeführt. Damit sollte nicht nur eine Regulierung der Herstellung stattfinden, sondern auch eine verstärkte Besteuerung, um die Staatskassen aufzubessern. Trotz staatlicher Eingriffe blieben die Bedingungen für die Brennereien jedoch ungünstig, so dass es im Laufe der Jahre zur Gründung eines Branntwein-Kartells und schließlich 1922 zur Einführung des Branntweinmonopols kam. Damit verbesserten sich die Voraussetzungen für das deutsche Brennereigewerbe. Vor allem um 1960 war es den Erzeugern möglich, unter besten Prämissen wirtschaften zu können. Erst durch den Einfluss der europäischen Gemeinschaft war der positive Effekt des Monopols gebrochen, da Einfuhrzölle und Ausgleichsabgaben abgeschafft werden mussten. Somit durften weitaus billigere Ethanol-Erzeugnisse aus anderen Staaten eingeführt werden. Eine Ausnahmegenehmigung für das Branntweinmonopol, welches vor allem die landwirtschaftlichen Brennereien schützte, konnte nur noch bis 2013 aufrechterhalten werden. Eine weitere Erzeugung von Agraralkohol durch die traditionelle, landwirtschaftliche Brennerei ist seither nicht mehr wirtschaftlich.




Samstag, 20. Juli 2019, 14.00 bis 16.30 Uhr, Donauhafen Straubing-Sand
"Hafen erleben" - Wirtschaftsgeschichte der Region - Führung durch den Hafen Straubing-Sand
Führung mit Lena-Maria Bredl B.A., Leiterin Marketing & Vertrieb und Harald Siegert, stv. Hafenbetriebsleiter, Hafen Straubing-Sand
Treffpunkt: 14.00 Uhr im Technologie- & Gründerzentrum im Hafen Straubing-Sand (Europaring 4, 94315 Straubing)


Straubing. (hv) 1996 wurde der Donau-Hafen Straubing-Sand eröffnet und hat sich seither zu einem der leistungsstärksten Güterverkehrszentren Bayerns entwickelt. Bemühungen um einen Industriehafen mit Gleisanschluss reichen jedoch bis in das frühe 20. Jahrhundert zurück. So gilt der Besuch des Hafen Straubing-Sand durch den HV Straubing vor allem der jüngsten Wirtschaftsgeschichte in und für die Region. Neben der historischen wie aktuellen Vorstellung des Standortes, der Besichtigung des Hafengeländes zu Fuß (ca. 60 Min.) wurde bei einem StartUP im Technologie- & Gründerzentrum und der Firma Sennebogen (Besuch des Firmenmuseums) angefragt. Teilnehmer werden gebeten, selbst per Fahrrad oder KFZ anzufahren; Fahrgemeinschaften können bei Rückmeldung im Gäubodenmuseum (Telefon 09421/94463-211 - Dr. Maier | stefan.maier@straubing.de) gegebenenfalls vermittelt werden!




Donnerstag, 27. Juni 2019, 19.30 Uhr, Vortragssaal des Gäubodenmuseums
Hopfenpioniere und Bierbarone - warum die Hallertau zur größten Hopfenregion der Welt wurde
Vortrag von Dr. Christoph Pinzl, Leiter des Deutschen Hopfenmuseums Wolnzach/Holledau


Straubing. (hv) Die Hallertau hat sich vor gut 100 Jahren zur größten Hopfenregion in Deutschland entwickelt und schon vor 50 Jahren zur größten der ganzen Welt. Warum das so gekommen ist, lässt sich nicht mit einem Satz beantworten. Christoph Pinzl, promovierter Kulturwissenschaftler und Leiter des Deutschen Hopfenmuseums in Wolnzach, beschäftigt sich seit fast 30 Jahren intensiv mit der Geschichte der Hallertau und des Hopfenbaus. Er wird an diesem Abend seine Sicht auf diese einmalige Erfolgsgeschichte anschaulich und kurzweilig darlegen und dabei so manche unerwartete Erkenntnis zu Tage fördern.




Donnerstag, 16. Mai 2019, 19.30 Uhr, Vortragssaal des Gäubodenmuseums
Regensburg zur Römerzeit - von Roms nördlichster Garnison an der Donau zur ersten bairischen Hauptstadt
Vortrag von Prof. em. Dr. Thomas Fischer, Universität Köln / Mainburg


Straubing. (hv) Regensburg war der wichtigste Militärplatz an der Donaugrenze in Bayern. Mehr als 20 Jahre nach dem Erscheinen des letzten Buches über das römische Regensburg erschien im Herbst 2018 ein neues zusammenfassendes Werk über dieses Thema (Regensburg zur Römerzeit – von Roms nördlichster Garnison an der Donau zur ersten bairischen Hauptstadt, von Karlheinz Dietz und Thomas Fischer, Regensburg 2018). Buch und Vortrag behandeln den wesentlich verbesserten aktuellen Forschungsstand zum römischen und frühmittelalterlichen Regensburg, der vor allem den planmäßigen Rettungsgrabungen der staatlichen und städtischen Denkmalpflege zu verdanken ist.

Zu den Neuigkeiten gehören der Nachweis eines zweiten Kastells an der Donau aus der Zeit vor dem Legionslager (gegründet 179 n. Chr.). Damit kann hier eine ähnlich außergewöhnliche Situation nachgewiesen werden, wie sie schon für Straubing belegt ist. Ferner ergab sich überraschend, dass das Legionslager und die zugehörige Zivilsiedlung in ihrer frühen Blütezeit um 200 n. Chr. größer waren als Regensburg im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Neue Entdeckungen um Großen Gräberfeld mit über Tausend neuen Bestattungen haben eine kontinuierliche Belegung der Nekropole vom 2. bis in das 7. Jahrhundert n. Chr. bewiesen und so nachdrücklich belegt, dass Regensburg als bedeutender Zentralort ohne Unterbrechung von der Römerzeit bis in das frühe Mittelalter existiert hat, als die Stadt Hauptstadt des bajuwarischen Stammesherzogtums war.




Donnerstag, 11. April 2019, 19.30 Uhr, Vortragssaal des Gäubodenmuseums
Jahreshauptversammlung 2019 des Historischen Vereins:
Dr. Johannes Prammer, Museumsleiter i.R., zieht sich als 2. Vorsitzender zurück - Dr. Stefan Maier übernimmt kommissarisch


Straubing. (hv) Die Einladung zur Mitgliederhauptversammlung (mit Tagesordnung) wurde rechtzeitig auf der Homepage des Vereins und in der Tagespresse veröffentlicht. Hier folgend der Bericht des Straubinger Tagblatts (Autor: Wolfgang Engel) in der Ausgabe vom Samstag, 13. April 2019:







Vortragsreihe anlässlich "800 Jahre Gründung der Straubinger Neustadt" - Folge 8:

Donnerstag, 21. März 2019, 19.30 Uhr, Vortragssaal des Gäubodenmuseums
Humanistische Bestrebungen in Straubing im 16. Jahrhundert
Vortrag Prof. em. Dr. Alois Schmid, LMU München


Straubing. (hv) Der Humanismus der Renaissancezeit in Europa war eine Kulturbewegung, die nur in den oberen Schichten der Gesellschaft gepflegt wurde. Seine wichtigsten Pflegestätten wurden, ausgehend vom Mutterland Italien, die Höfe der Fürsten, die großen Städte, die Universitäten und Einrichtungen der Kirche. Wegen dieses elitären Charakters war das Herzogtum Bayern ein wenig günstiger Nährboden. Er fand auch hier Beachtung nur in den oberen Schichten des Kulturbetriebes; eine Breitenwirkung hat er nicht erlangt. Die Straubinger Stadtgeschichte hat dem Thema des Humanismus bisher keine besondere Aufmerksamkeit zugewandt. Es liegen kaum größere Untersuchungen geschweige denn eine umfassende Darstellung vor. Damit entspricht der Forschungsstand dem in den meisten Städten der Umgebung. Die Thematik lohnt sich. In diesem Sinne soll der Rezeption der großen Modernisierungsbewegung in dieser Stadt nachgegangen werden. Es muss nach schulischen Einrichtungen und den hier ausgebildeten Studenten einschließlich ihrer akademischen Studienwege gefragt werden. In welchem Ausmaß haben diese Eingang in die Stadtverwaltung und die Einrichtungen der Kirche gefunden: Lassen sich hier eine Akademisierung und Professionalisierung feststellen? Dass ein Literaturbetrieb von Rang auf den Weg gebracht wurde, hat soeben Werner Schäfer an der Person des Thomas Naogeorg deutlich gemacht. Jedenfalls trug auch das Gedankengut des Humanismus zur Bildung einer breiten reformatorischen Bewegung in Straubing bei.




Vortragsreihe anlässlich "800 Jahre Gründung der Straubinger Neustadt" - Folge 7:

Donnerstag, 14. Februar 2019, 19.30 Uhr, Vortragssaal des Gäubodenmuseums
Bürgermeister und Handelsherr Ulrich Kastenmayr (ca. 1370-1431).
Biographie und Verwandtschaft eines Aufsteigers

Vortrag von Prof. Dr. Franz Fuchs, Universität Würzburg


Straubing. (hv) Das Gedächtnis an Ulrich Kastenmayr ist mit seinem berühmten Grabstein in der Straubinger Jakobskirche verbunden, der zu den der zu den herausragenden Sepulkralkunstwerken der Spätgotik in Deutschland zählt. Der Vortrag geht der Biographie dieses Aufsteigers nach, der sichtlich aus kleinen Verhältnissen stammte aber Fernhandelskaufmann ein großes Vermögen erwerben konnte. Sein Lebensweg lässt sich vor allem aus noch ungedruckten Urkunden und Akten nachzeichnen. Ulrich Kastenmayr ist erstmals im Jahre 1383 als Bürger der Stadt Straubing bezeugt, übersiedelte um 1400 nach Regensburg, wo er als Gläubiger des römischen Königs Ruprecht von der Pfalz belegt ist. Um 1405 trat er in den Dienst Herzog Johanns von Straubing-Holland; er war für seinen Dienstherren zunächst als herzoglicher Mautner in Schärding tätig bevor er das höchst kommunale Amt in seiner Heimatstadt Straubing übernahm. 1424 wurde er von einigen Straubinger Bürgern des Amtsmissbrauchs bezichtigt, konnte sich aber mit Unterstützung seines Sohnes Hans Kastenmayr bald rehabilitieren. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Ulrich in Passau, wo er am 19. Mai 1431 verstarb. Sein Sohn Hans hat später das enorme, von Vater ererbte Vermögen hauptsächlich für Wohltätig- keitseinrichtungen in Regensburg verwendet; für seinen Vater hat er eine „ewige Messe“ in der Straubinger Jakobskirche gestiftet.

Hierzu der Bericht von Wolfgang Engel im Straubinger Tagblatt vom 16.02.19: